instabile Persönlichkeitsstörungen
Was ist das?
Sie ist geprägt durch:
- Starke, schnell wechselnde Gefühle
- Schwierigkeiten, Impulse zu kontrollieren
- Häufige Konflikte mit anderen, besonders wenn Wünsche oder Impulse durchkreuzt werden
Instabile Persönlichkeitsstörungen und die bedeutung für Angehörige
Impulsiver Typ (F60.30)
Typische Merkmale
- Starke emotionale Instabilität: Die Stimmung kann schnell von „okay“ zu „sehr wütend“ oder „verzweifelt“ wechseln.
- Wenig Impulskontrolle: Betroffene handeln oft sofort, ohne an Folgen zu denken.
- Häufige Wutausbrüche: Schon kleine Frustrationen können zu heftigen Reaktionen führen.
- Viele Konflikte: Besonders, wenn andere ihre impulsive Handlungen stoppen oder kritisieren.
Borderline Typ (F60.31)
Zusätzlich zu emotionaler Instabilität und Impulsivität:
- Gestörtes Selbstbild:
Unsicherheit, wer man ist
Häufig wechselnde Ziele, Werte, Vorlieben - Chronisches Gefühl innerer Leere:
„In mir ist nichts.“
„Ich fühle mich hohl.“ - Intensive, aber instabile Beziehungen:
Sehr enge Bindung, dann plötzlich große Enttäuschung oder Wut
Das Gegenüber wird oft erst idealisiert, dann stark abgewertet - Große Angst vor dem Verlassenwerden:
Panik bei Trennung, Zurückweisung oder auch nur bei Nicht-Erreichbarkeit - Selbstschädigendes Verhalten:
Selbstverletzung (z. B. Schneiden)
Wiederholte Suizidandrohungen oder -versuche
Impulsiver Typ (F60.30)
für Angehörige
- „Man weiß nie, wann es ‚knallt'.“
- „Bei kleinen Widersprüchen gibt es sofort heftige Auseinandersetzungen.“
- „Es wird viel versprochen, aber dann impulsiv anders gehandelt.“
- Selbstverletzung oder Suizidalität sind nicht zwingend typisch für diesen Typ – sie können vorkommen, stehen aber nicht im Zentrum der Definition.
Borderline Typ (F60.31)
für Angehörige
- „Die Beziehung ist sehr intensiv, aber auch sehr anstrengend.“
- „Ich fühle mich manchmal wie auf einem emotionalen Drahtseil.“
- „Es gibt immer wieder Krisen mit Selbstverletzung oder Suizidäußerungen.“
- „Die Person wirkt oft sehr unsicher, wer sie eigentlich ist.“
Häufige Symptome
- Intensive Angst vor Verlassenwerden
- Stark schwankende Stimmungen
- Impulsivität (z. B. Geld ausgeben, Essen, Risiken)
- Wiederkehrende Selbstverletzung oder Suizidgedanken
- Chronisches Gefühl der Leere
- Wutausbrüche, die schwer zu kontrollieren sind
- Unstabiles Selbstbild und Identitätsprobleme
- Vorübergehende paranoidide oder dissoziative Zustände
Kommunikation
Ruhig und klar sprechen
Kurz und verständlich formulieren
Keine Ironie oder doppeldeutigen Aussagen
Gefühle ernst nehmen und nicht abwerten
Aktiv zuhören und ausreden lassen
Grenzen freundlich, aber deutlich kommunizieren
Kritik sachlich und konkret äußern
Verlässlichkeit und Sicherheit durch klare Absprachen schaffen
Erste Hilfe als Angehöriger
Erste Hilfe bei akuter Borderline-Krise – 8 Punkte
1. Ruhig bleiben.
2. Gefühle ernst nehmen.
3. Zuhören, nicht diskutieren.
4. Nicht allein lassen.
5. offen nach Suizidgedanken fragen.
6. Gefährliche Gegenstände entfernen.
7. Ruhe und Sicherheit schaffen.
8. Bei akuter Gefahr: 112.
Selbsthilfe bei akuter BPS-Krise
Stopp: Nichts Impulsives tun.
Atmen: Langsam und bewusst atmen.
Gefühle benennen: „Ich bin gerade extrem überfordert.“
Reize reduzieren: Ruhiger Ort, Handy weg.
Körper aktivieren: Kaltes Wasser, spazieren, bewegen.
Kontakt aufnehmen: Vertrauensperson anschreiben/anrufen.
Selbstverletzung vermeiden: Gefährliche Gegenstände weglegen.
Bei akuter Suizidgefahr: 112 anrufen und nicht allein bleiben.
Behandlungsformen und möglichkeit
Hier aufgefügt sind nur Optionen und möglichkeiten verschiedener Therapieformen und kein direktes Behandlungsangebot durch uns!
Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) wurde speziell für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt.
Sie hilft, starke Emotionen und Impulse besser zu regulieren.
Ein wichtiger Bestandteil ist der Umgang mit Selbstverletzung und Suizidgedanken.
Man lernt konkrete Fähigkeiten für Krisen, Stress und zwischenmenschliche Konflikte.
DBT verbindet Akzeptanz der eigenen Gefühle mit der Veränderung problematischer Verhaltensweisen.
Ziel ist ein stabileres, selbstbestimmteres und erfüllteres Leben.
Schematherapie
Schematherapie hilft dabei, tief verankerte negative Denk- und Verhaltensmuster („Schemata“) zu erkennen.
Sie betrachtet, wie frühe Erfahrungen diese Muster geprägt haben können.
Typische **Gefühls- und Verhaltenszustände („Modi“) ** werden gemeinsam erkannt und verstanden.
Ziel ist es, ungünstige Muster zu verändern und gesündere Verhaltensweisen aufzubauen.
Die Therapie stärkt Selbstwert, emotionale Stabilität und gesunde Beziehungen.
Sie verbindet verschiedene therapeutische Methoden und arbeitet besonders intensiv mit Emotionen und Beziehungserfahrungen.
Medikamentöse Symptombehandlung
Es gibt kein Medikament, das Borderline direkt heilt.
Medikamente können jedoch einzelne Symptome wie starke Angst, Depression oder Impulsivität lindern.
Die Behandlung sollte individuell auf die betroffene Person abgestimmt werden.
Medikamente werden meist ergänzend zur Psychotherapie eingesetzt.
Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist wichtig, besonders wegen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Selbstständiges Absetzen oder Ändern der Medikamente sollte vermieden und mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Angehörigenarbeit
Vertrauensvolle Bezugspersonen lernen, Krisen zu deeskalieren und gleichzeitig eigene Grenzen zu wahren.